Zukunft der Arbeitslosenberatung Gegenstand des Sozialausschusses im Kreishaus Herford
Am 21.11.2007 wurde der von Maßarbeit e.V. dem Kreis Herford vorgelegte Antrag über eine kommunale Förderung der Arbeitslosenberatungsstelle und des Arbeitslosenzentrums ab dem 1.10.1008 im Sozialausschuss beraten und anschließend auf Antrag der SPD zur weiteren Beratung in den Fraktionen verwiesen.
Maßarbeit e.V. benötigt zur Fortsetzung der Beratungsarbeit einen Betrag in Höhe von 92.000 Euro jährlich bzw. anteilig für das Jahr 2008. Die Kostenberechnung erfolgte auf der Annahme von 2.000 Beratungskontakten und 2.000 BesucherInnen des Arbeitslosenzentrums und des Internet-Cafés/ BewerbungsCenter. Erstmals wird diese hohe Nachfrage der Beratungsleistungen im Jahr 2007 erreicht werden. Bis zum 15.11. wurden bereits 1.900 Beratungsgespräche geführt. Über 1.500 Personen haben das BewerbungsCenter und Internet-Café im Arbeitslosenzentrum genutzt.
Frank Riedel und vier arbeitslose „Hartz IV“-EmpfängerInnen standen den Ausschussmitgliedern nach Vorschlag des Ausschussvorsitzenden Norbert Wellmann (SPD) und Erteilung des Rederechts durch den Ausschuss Rede und Antwort. Die Betroffenen begründeten aus ihrer Sicht die Notwendigkeit einer neutralen Anlaufstelle im Kreis Herford für Arbeitslose, um Fragen zur Bewilligung von Geld- und Eingliederungsleistungen sowie zum Verfahren zu überprüfen oder Fragen dazu zu klären.
Insbesondere die praktischen Hilfestellungen der BeraterInnen zur Bewältigung des bürokratischen Antrags- und Bewilligungsverfahrens einschließlich dem fehlendem Verständnis vieler Ratsuchender für die komplizierten Bescheide der ARGE wurden im Ausschuss lebhaft diskutiert.
Norbert Burmann, Leiter des Kreissozialamts und Geschäftsführer der ARGE erklärte den Ausschussmitgliedern die Absicht der ARGE Herford mit Maßarbeit e.V. über einen Leistungsvertrag zur Erbringung "psychosozialer Betreuung" (gesetzliche "Kann"-Leistung für Hartz IV-EmpfängerInnen) zu beraten.
Am 4.12.2007 wird der Antrag im Kreisausschuss weiter beraten und schließlich wird am 14.12.2007 darüber im Kreistag entschieden.
"Niemand soll unter die Räder kommen"
Hier finden Sie einige Fachbeiträge der ReferentInnen der Fachveranstaltung am 2.11.2007 zum Download:
Marcus Tarrach, ARGE Herford, informierte über die Entwickung der Langzeitarbeitslosigkeit im Kreis Herford,
Dr. Gert Beelmann beschrieb die Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit und der Anforderungen für Beratungsdienste aus sozialwissenschaftlicher Perspektive,
Heidrun Hellmann, Fallmanagerin der ARGE Enger/Spenge stellte aus ihrer Sicht die besonderen Anforderungen an das Fallmanagement der ARGE und ihre Arbeitsweise vor und berichtete über typische Problemlagen Betroffener,
Norbert Burmann stellte in seiner Rolle als Leiter der Kreissozialamts Herford rechtliche Rahmenbedingungen der Kommune vor und skizzierte den Verantwortungsbereich des Sozialhilfeträgers,
Christian Lümkemann, Vorsitzender der AG der Wohlfahrtsverbände im Kreis Herford stellte die Perspektive der Wohlfahrtsverbände vor und warb für die weitere Perspektive einer unabhängigen Arbeitslosenarbeit durch die freie Wohlfahrtspflege,
Norbert Burmann informierte in seiner Rolle als Geschäftsführer über die rechtlichen Rahmebedingungen der ARGE zur Vereinbarung psychosozialer Beratungsleistungen für Langzeitarbeitslose.
Irmgard Pehle (Bündnis 90/Grüne) und Norbert Wellmann (SPD, Vorsitzender des Sozial- und Gesundheitsausschusses des Kreises Herford sicherten die genaue des Prüfung des Antrags von Maßarbeit e.V. an den Kreis Herford zur Förderung der Arbeitslosenarbeit zu, wiesen jedoch auf die immer noch angespannte finanzielle Situation des Kreises hin.
Gastgeber Superintendent Etzien (Ev. Kirchenkreis) und Pastor Thielking (kath. St. Johannes Baptist Gemeinde Herford) verabschiedeten ReferentInnen und Gäste und mahnten Menschlichkeit und Verantwortung an und sprachen sich für eine kommunale Lösung zur Sicherung eines nicht behördlichen Beratungsangebots für Langzeitarbeitslose aus.
Hintergrund:
Besonders benachteiligte Arbeitslose profitieren weniger von der aktuellen Arbeitsmarktnachfrage. Immer mehr "HArtz IV-EmpfängerInnen suchen die Arbeitslosenberatungsstelle auf, das sind besonders ältere Arbeitslose, Unqualifizierte, Dauerarbeitslose und MigrantInnen. Im Jahr 2007 werden voraussichtlich über 4.000 Personen die Arbeitslosenberatungsstelle und das Arbeitslosenzentrum nutzen. Trotzdem sind die Arbeitslosenberatungsstelle und das Arbeitslosenzentrum von der Schließung bedroht. Karl-Josef Laumann, CDU-Arbeitsminister in NRW will die Förderung mit Mitteln der Europäischen Union zum 1.10.12008 einstellen und sieht die Verantwortung für die weitere Förderung bei den Kommunen und der ARGE.
Dokumente zum Download
Einladungsflyer "Arbeitsmarktpolitischer Dialog" (Bitte hier klicken!)
Psychosoziale Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit
Den Fachvortrag von Dr. Gert Beelmann "Psychosoziale Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit" finden Sie hier als Powerpoint-Präsentation).
Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit
Die Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit im Kreis Herford (Quelle: BA)
Der Vortrag von Marcus Tarrach, ARGE Herford steht hier zum Download zur Verfügung.
Statement der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände
Hier steht eine Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Kreis Herford zur psychosozialen Versorgungssituation Langzeitarbeitsloser zum Download bereit.
Psychosoziale Betreuung: Eine Pflichtaufgabe des Kreises Herford?
Die Stellungnahme des Kreissozialamt Herford (von Norbert Burmann, Leiter des Kreissozialamts) zu den Themenstellungen 'Definition von psychosozialer Betreuung' und die 'Zuständigkeit der Kommune für psychosoziale Betreuung unter den aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen' finden Sie hier.
Förderung von Beratungsangeboten für Langzeitarbeitslose nach dem SGB II
Die Stellungnahme ARGE Herford (von Norbert Burmann, Geschäftsführer) zu den Themenstellungen rechtliche Rahmenbedingungen' des SGB II zur Förderung psychosozialer Beratungsangebote finden Sie hier.